Fladunger besuchen Partnergemeinde in Italien

Foto:Jürgen Erb

Der Versailler Vertrag von 1918 war Thema des Treffens

Seit vielen Jahren besteht die Städtepartnerschaft zwischen Fladungen und den Gemeinden Nora in Schweden, Koo in Estland und natürlich Nassenfels in Oberbayern. Im Jahr 2006 hat Nora eine Partnerschaft mit Hone in Italien geschlossen. Damit wurde Hone auch gleichzeitig Partnergemeinde zu den anderen Orten. Seit Beginn der Partnerschaften finden reihum regelmäßige Treffen in den verschiedenen Ländern statt. In diesem Jahr traf man sich vom von Donnerstag, 4. bis Sonntag 7. Okt. in Hone im Aostatal. Aus Fladungen waren mit dabei die 1. Bürgermeisterin Agathe Heuser-Panten, Diana und Jürgen Erb, Doris und Georg Grief und Gavin Porch.

Fast alle Treffen in den vergangenen Jahren wurden von der EU mit einem Zuschuss gefördert. Deshalb steht auch immer ein europäisches Thema im Mittelpunkt des Programmes. In diesem Jahr beschäftige man sich mit den Auswirkungen des Versailler Friedensvertrages, der vor genau 100 Jahren geschlossen wurde. Der Titel des Projektes lautet: „Aus verpassten Chancen lernen – gemeinsam ein friedliches Europa gestalten“. Der Versailler Vertrag ist ein klassisches historisches Beispiel dafür, wie Chancen von allen Vertragspartnern weder erkannt noch genutzt wurden. Eigentlich sollte in Versailles nach dem 1. Weltkrieg ein Neuanfang und eine neue Weltordnung geschaffen werden. Doch statt, wie beabsichtigt, ewigen Frieden zu stiften, rief der Vertrag dauerhaften Hader hervor. Und schlimmer noch: Er verfehlte sein Ziel kläglich. Nicht einmal eine Generation später stand die Welt erneut in Flammen, mit noch mehr Opfern, noch mehr Zerstörung, zudem mit unglaublichen Verbrechen, darunter dem Mord an den europäischen Juden. Seitdem rätseln Historiker über die Frage, ob vor 90 Jahren in Paris eine große Chance verpasst wurde. Wäre die Geschichte Deutschlands, Europas, ja der Welt insgesamt anders verlaufen, wenn die Sieger damals anders entschieden hätten?

In Workshops und Diskussionen stellte sich neben vielen weiteren Aspekten heraus, dass ein dauerhafter Frieden und demokratischer Neuanfang vor allem an den Eigeninteressen und Egoismen der Besiegten und Sieger gescheitert ist. Die durch den Versailler Vertrag in Deutschland entstandene „Dolchstoßlegende“ hat viele Deutsche empfänglich für die Ideologie der Nationalsozialisten und die einfachen Lösungen eines Adolf Hitler gemacht.  

Bei der Aufarbeitung dieses Themas ging es neben der geschichtlichen Reflexion vor allem auch darum, wie man aus den gemachten Fehlern lernen und gemeinsam ein friedliches Europa schaffen kann, vor allem angesichts der aktuellen Probleme in Europa vor dem Hintergrund der Flüchtlingskrise. Wie die letzten und aktuellen Wahlen zeigen, sind rechtpopulistische Parteien am erstarken und auf dem Vormarsch. Ein Ergebnis der Diskussionen war, dass es Zeit, Geduld, Verständnis und Kreativität braucht, um politische Krisen erfolgreich zu bewältigen.

Natürlich kam bei dem Treffen auch die Geselligkeit nicht zu kurz. Bei geführten Rundgängen lernten die Teilnehmer Hone mit all seinen Sehenswürdigkeiten und die nähere Umgebung kennen. Im nächsten Jahr findet das Treffen in Koo, in Estland statt. Voraussichtlich vom 15. – 18. August.